Vielleicht ist es euch aufgefallen: Ja, gut, wir haben hier eine halbe Ewigkeit nichts von uns hören lassen, aber ich meine eher das andere. Genau: Der Hochsommer zeigt sich von seiner blühenden und erntereifen Seite (jedenfalls, was viele kultivierte Pflänzli und einige essbare Wildpflanzen anbelangt!)

Wir selbst sind gerade (neben der weiterhin fleißigen Suche nach einem geeigneten Stück Grünland in Münsters begehrten Stadtgrenzen) viel in der Natur unterwegs, oder dem was man noch im Weitesten Sinn so nennen kann. Waldbaden (aka Shinrin Yoku), Wildpflanzen, Bäume klettern, Hängematte aufspannen und entspannen – so darf es sein, das Sein.

Übrigens wurde vor etwa 4 Wochen in der WN über zwei Wilfpflanzenliebhaber geschrieben: Matthias (Mitgründer vom Ewilpa für Münster) und Claudia Maschner (welche die feinen Ewilpa-Podcasts produziert) stellten sich den Fragen eines Redakteurs der Westfälischen Nachrichten. Hier findet ihr den Artikel „Gräser in Gläsern“, lesbar allerdings nur als WN+ Abbonnent (insofern ihr keine Samstags-Ausgabe vom 17. Juli besitzt 😉 ). Die Idee des essbaren Wildpflanzenparks für Münster wird darin auch widergespiegelt, wenn auch lediglich zum Ende des Artikels. So erhält unser Vorhaben etwas Aufschwung!

Nun aber zum Kern unseres Anliegens: Wihildkeräuter!

Hier eine TOP 3, die ihr zur Zeit im besten Zustand an entsprechenden ökologischen Nischen findet:

Lichtbringer, das Johanneskraut

Namensgebend in der botanisch-lateinischen Nomenklatur ist der Wirkstoff Hypericin -> Hypericum perforatum. Oder kam erst die linnéische lateinische Namensgebung, und danach die Benennung des Wirkstoffs? Zur Sache: Das Hypericin ist der Wirkstoff, weshalb Johanneskraut seiner Lichtbringereigenschaft als wissenschaftlich anerkanntes Anti-Depressiva alle Ehre macht – unsere Ahnen wussten das bereits aufgrund der Praxis, ganz ohne Chemielabor. Der Zusatz „perforatum“ deutet übrigens die winzigen Öl-Drüsen (transparent oder schwarz) in den Blättern an, weshalb sie gegen die Sonne gehalten, wie leicht gelöchert („perforiert“) auszusehen scheinen.

Wie erkennt ihr dieses gelbe, lichtliebende Naturgeschenk nun?

Auffallend gold-gelbe Blüte, mit fünf Kronenblütenblättern und vielen Staubfäden – aus der Familie der Hartheugewächse – an sonnigen Standorten, mit genug Niederschlag

Das Johanneskraut hat paarweise gegenüberstehende ovale Einzelblätter, welche sehr nah am Stängel wachsen. Der Stängel selbst hat einen im Pfanzenreich sehr eigenartigen und seltenen Charakter – weder rund noch drei- oder viereckig. Es scheint eine Mischung von allem zu sein, denn lässt man den Stängel zwischen den Finger gleiten, ertastet man eine leicht zweikantige Struktur. Anhand der „Durchlöcherung“ der Blätter und der markanten Blüte erkennt ihr es eindeutig, zumal sich die Finger beim Zerreiben der Blüten tiefrot (aufgrund des Hypericins) färben. Die Verwechslungsgefahr mit wirklich giftigen Wildpflanzen ist sehr gering, trotzdem bitte nur (verhältnismäßig) pflücken, wenn ihr eindeutig sicher seid!

Gegen das Sonnenleicht gehalten, lassen sich die „perforierten“ Blätter des Johanneskrauts gut erkennen

Es zeichnet sich weniger durch seine Fähigkeit aus, uns zu sättigen, als vielmehr, durch seine unfassbare vielseitige Einsetzbarkeit als Heilmittel (nicht nur in der Volksmedizin) ein. Bei heilkraeuter.de werden u.a. folgende Wirkungen aufgezählt:

  1. Anti-Depressiva
  2. Gegen Bronchtitis, Fieber
  3. Bei Appetitlosigkeit, Durchfall, Darmentzündung
  4. Bei Menstruationsbeschwerden, Wechseljahrsbeschwerden
  5. Bei Angstzuständen, Hexenschuss, Ischiasbeschwerden, Migräne

Zusammenfassend sind seine Eigenschaften abschwellend, adstringierend, antibakteriell, beruhigend, blutbildend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend, schleimlösend, schmerzstillend, tonisierend, weshalb sein Einsatzgebiet schier unerschöpflich scheint.

Tipp: Pflückt, wo es möglich ist viele Blüten (sanft pflücken, um sie schadfrei zu erhalten) und ganze Stängel, samt Blätter und Blüte, und legt diese in natives kalt gepresstes Bio-Olivenöl ein. Nach 4-6 Wochen an einem sonnigen Plätzchen habt ihr eine tiefe Rotfärbung, weshalb es auch „Rot-Öl“ (volkstümlich: Herrgottsblut) genannt wird. Hier findet ihr eine genaue Beschreibung der Herstellung. Das Rot-Öl ist ein wahres Wundermittel bei der Wund- und Narbenbehandlung oder auch eine leckere Bereicherung für ein Salat-Dressing. (Da die Wirkstoffe mit Medikamenten wechselwirken können, bitte vor der Anwendung einen Arzt konsultieren, wenn Medikamente eingenommen werden). Warum eigentlicht warten, bis man Beschwerden hat? Das Johanneskraut kann auch, rein prophylaktisch angewandt, Salate aufpeppen. Es dient als äußerst intensives, aber leckeres Gewürzkraut. Einfach ein paar zarte, frische Blätter unter den Salat mischen und mit den strahlenden Blüten als essbare Dekoration das Auge verzücken.

Voll in Blüte, die Schafgarbe

Achillea millefolium (echte Schafgarbe) – erscheint wie ein Doldenblütler, gehört aber zu den Körbchenblütlern (wie Löwenzahn usw.) – sehr häufig anzutreffen, da ökologisch ziemlich anspruchslos

Die feine, ja philigrane Blattstruktur der Schafgarbe fällt auch ohne Blüte bereits gut ins Auge. Einer der vielen Mythen um dieses Heilkraut zu Folge, ist diese Blattstruktur der zerbrochene Speer des griechischen Kriegers Achilles. Er soll die Schafgarbe bereits zur Wundheilung verwendet haben. Der Gattungsname „Achillea“ in der lateinischen Namensgebung geht somit auf ihn zurück. Andere Sagen beschreiben, dass Schafgarbe bereits vom Jesuskind bei einer Verletzung von Joseph eingesetzt wurde oder die Pflanze um den Johannestag (Sommersonnenwende -> s.o. das Johanneskraut) an Kirchen zur Abwehr „böser Geister“ angepflanzt wurde. (mehr unter: https://www.inana.info/blog/2015/06/20/unsere-pflanzengeister-die-schafgarbe.html) Also nicht nur aus der Sicht essbarer Wildpflanzenfreunde eine sagenumwobene Pflanze.

Wie könnt ihr die Schafgarbe nun verwenden?

Dieser Tausendsassa (nicht nur „Tausendblatt“) findet in der Küche vor allem durch seine genießbaren jungen Triebe, Blüten und jungen Blätter Einzug. Die wertvollen Inhaltsstoffe, wie Bitterstoffe, ätherische Öle, Cumarine, Flavonoide, Mineralstoffe (v.a. Natrium), der Schafgarbe können uns sowohl in Salaten jeglicher Art oder auch als Heilpflanze bereichern. Vor allem die Bitterstoffe sind es, die wir heute mehr denn je brauchen, damit unsere Verdauung in Schwung kommt, denn das übliche Kultur-Gemüse enthält diese kaum noch. Darüberhinaus sind die Wirkungen vielseitig und haben sich traditionell bewährt:

  • schleimlösend
  • verdauungsfördernd
  • blutstillend und wundheilend
  • krampflösend
  • antibakteriell
  • teilweise antimykotisch
  • appetitanregend
  • schmerzlindernd
  • hormonell ausgleichend

Verwendung findet die Schafgarbe vor allem bei den folgenden Krankheiten und Beschwerden:

  • Durchfall
  • Magenschleimhautentzündung
  • Appetitlosigkeit
  • leichtere Gallenbeschwerden
  • Völlegefühl
  • Menstruationsbeschwerden
  • unterstützende Wundbehandlung
  • chronische Beckenschmerzen bei Frauen (Parametropathia spastica)
  • Kopfschmerzen
  • Geschwüre
  • Multiple Sklerose (unterstützend)

Quelle: https://www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Schafgarbe.html#Schafgarbe_in_der_Küche

Heilwirkung der Schafgarbe

Die Heilwirkung wird v.a. aus den Blüten gezogen (zwischen Juni und Oktober). Ihr könnt diese trocknen und als Teekraut verwenden, oder in (möglichst) neutralem Alkohol (mind. 35%) einlegen und eine Tinktur herstellen.

Beim nächsten Spaziergang (auch in städtischen Grünflächen) einfach mal die Lauscher aufsperren, die Schafgarbe macht ihrem kosmopolitischem Charakter (kann nahezu überall Fuß fassen) alle Ehre. Man kann sie eigentlich nicht nicht finden 😉

Hinweis: Bei kontaktempfindlichen Menschen kann die Pflanze beim Ernten in Zusammenhang mit Sonnenstrahlung Kontaktallergie auslösen (sog. Wiesendermatitis)

Beruhigend & köstlich – Die wilde Malve

Malva sylvestris

An sonnigen, trockenen und nährstoffreichen Standorten, z.B. an Wegen und Mauern, bis in eine Höhe von etwa 800 m.N.N. Aufgrund seiner hohen Anteile an Schleimstoffen (5 – 12%) kann sie sehr gut bei Erkältungskrankheiten, Rachenentzündungen und Entzündungen im Verdauungstrakt eingesetzt werden. Darüber hinaus ist sie bei Gebärmutterleiden, Rheuma und Durchfall hilfreich. Sie ist gekennzeichnet von guter Verträglichkeit. Äußerlich kann sie auch in Form von Breiumschlägen bei Wundbehandlung, als Bad auch gegen Hämorrhiden eingesetzt werden.

Unbedingt auch essbar!

Zusätzlich ist sie einfach ein fantastisches essbares Kraut! Der angenehme zarte Geschmack ist sehr „anfängerfreundlich“ und macht Freude auf mehr. Gerade die Blüten sind als essbare Dekoration ein Hochgenuss. Man kann die Blätter und Stängel auch als Grundlage für Kochgemüse und Suppen verwenden. Die Herstellung von fruchtig-aromatischen Getränken ist dann wieder Aufgabe der Blüte. Eventuell kennt ihr auch malvenhaltige Erfrischungsgetränke aus dem Supermarkt.

Erkennen tut ihr die Malve vor allem an ihrer einzigartigen lila-purpurnen Blütenfarbe, ihren stolzen 5 einzeln hängenden Blütenkronenblättern. Die Blätter sind fünflappig, der Blattrand rund gezahnt, an einem (leicht behaartem) „Ästchen“ hängt lediglich ein Blatt. Mit diesen Merkmalen könnt ihr die Malve schon sehr gut zuordnen, gefährliche Doppelgänger liegen nicht vor. Ihr wisst natürlich, dass ihr sie bitte nur dann esst, wenn ihr euch 100% sicher seid.

Quelle: Essbare Wildpflanzen, 200 Arten bestimmen und verwenden, Stefan Guido Fleischhauer


Viel Freude, Geduld und Erfolg für eure Wildpflanzensuche- und verwertung 🙂

Euer Ewilpa®-Münster-Team

Ka, Matthias und Björn


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